Ab 2025 sind alle Stromversorger in Deutschland verpflichtet, dynamische Stromtarife anzubieten. Doch für wen lohnt sich das neue Modell wirklich, und wer sollte lieber beim klassischen Festpreis bleiben? Wir klären auf.
Das Jahr 2025 markiert einen Meilenstein in der deutschen Energiewende. Gemäß den gesetzlichen Vorgaben müssen ab dem 1. Januar 2025 alle Stromlieferanten in Deutschland dynamische Stromtarife anbieten. Bisher galt diese Pflicht nur für große Versorger, nun wird sie flächendeckend ausgerollt. Ziel der Bundesregierung ist es, die Stromnetze zu entlasten und den Verbrauchern einen direkten Anreiz zu bieten, Energie dann zu nutzen, wenn viel Wind- und Sonnenstrom im Netz vorhanden und der Preis entsprechend niedrig ist. Im Gegensatz zu klassischen Tarifen mit starren Arbeitspreisen spiegeln dynamische Tarife die Preisschwankungen des Spotmarktes der Strombörse (EPEX Spot) eins zu eins wider.
Um einen dynamischen Stromtarif überhaupt nutzen zu können, ist eine entsprechende Infrastruktur im Haus oder Gewerbebetrieb notwendig. Ein herkömmlicher, analoger Stromzähler (Ferraris-Zähler) reicht dafür nicht aus. Benötigt wird ein sogenanntes intelligentes Messsystem (Smart Meter). Dieses besteht aus einem modernen digitalen Stromzähler und einer Kommunikationseinheit, dem Smart-Meter-Gateway. Das Gateway übermittelt die Verbrauchsdaten viertelstündlich und vollautomatisch an den Netzbetreiber und den Stromanbieter. Nur so kann der Verbrauch exakt den jeweiligen Stundenpreisen zugeordnet und abgerechnet werden. Der gesetzlich vorgeschriebene Smart-Meter-Rollout in Deutschland sieht vor, dass bis 2032 schrittweise alle Haushalte mit dieser Technik ausgestattet werden – wer aktiv wechseln möchte, kann den Einbau jedoch beschleunigen.
Ein dynamischer Stromtarif ist kein Selbstläufer für Einsparungen; er erfordert Flexibilität im Verbrauchsverhalten. Besonders lohnenswert ist der Wechsel für Verbraucher, die über große, steuerbare Stromabnehmer verfügen. Wer ein Elektroauto besitzt und dieses bevorzugt in den günstigen Nachtstunden oder am windreichen Nachmittag lädt, kann seine Tankkosten massiv senken. Ähnliches gilt für Besitzer von Wärmepumpen oder Batteriespeichern, die gezielt dann geladen werden können, wenn der Strompreis an der Börse gegen Null oder im Extremfall sogar ins Negative rutscht. Auch Gewerbebetriebe mit verschiebbaren Produktionszeiten profitieren enorm. Wer hingegen in einer Wohnung ohne steuerbare Großverbraucher lebt und seinen Strombedarf (Kochen, Waschen, Fernsehen) nicht zeitlich verlagern kann oder möchte, für den bieten klassische Tarife mit festen Preisen oft mehr Planungssicherheit und Schutz vor Preisspitzen.